Bundespräsident Hans-Rudolf Merz zur Abstimmung über die Minarett-Initiative

Beitrag drucken Beitrag drucken | iusadvice | 17. November 2009

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Video-Botschaft Bundespräsident Hans-Rudolf Merz

Sehr geehrte Damen und Herren

In der Schweiz leben Angehörige der verschiedensten Religionen. Katholiken, Protestanten, Muslime, Juden, Sikhs, Buddhisten und Andere. Sie praktizieren ihren Glauben friedlich. Die einen im stillen Kämmerlein, andere in Gotteshäusern. Religiöse Toleranz hat Tradition in der Schweiz. Oft boten wir Andersgläubigen Zuflucht.

 Religionen verwenden nach aussen sichtbare Symbole: Kirchen, Synagogen, Minarette. Ich sehe diese Symbole als Ausdruck unserer vielfältigen Gesellschaft. Unser Land garantiert Religionsfreiheit. Wir leben eine multikulturelle, offene Schweiz. Alle Glaubensrichtungen sollen hier ihren Glauben aktiv ausüben können. Auch Muslime. Die überwiegende Mehrheit der Muslimas und Muslime in der Schweiz ist gut integriert. Sie respektiert unsere Gesellschaftsordnung. Viele von ihnen sind Schweizer Bürger.

Ich habe im arabischen Raum gearbeitet. Ich erinnere mich gut an die Minarette und an den Muezin, der die Gläubigen rief — erst persönlich, dann ab Band. Es ist wie der Kirchturm mit seinen Glocken, der zu Gottedienst ruft. Auch in der Schweiz sollen die Muslime mit den Minaretten ihren Glauben leben können. Den Ruf des Muezins wird es hier aber nicht geben.

Ich erinnere mich auch an die Gastfreundschaft, mit der mich die Menschen im arabischen Raum empfingen. Als Fremder in diesen Staaten war und bin ich ihnen dankbar dafür. Diese Gastfreundschaft möchte ich auch unseren muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern bieten. Wir alle können diese Gastfreundschaft beweisen. Nicht nur indem wir die Symbole anderer Religionen bei uns dulden, sondern auch indem wir uns aktiv mit Andersgläubigen auseinandersetzen. In diesem Sinne möchte ich Sie nicht nur zum friedlichen Nebeneinander ermuntern, sondern auch zu einem Miteinander mit Ihren andersgläubigen Nachbarn und Arbeitskolleginnen. Ich richte mich mit meinem Aufruf an die Menschen aller Religionen. Ich bitte Sie, die Volksinitiative gegen den Bau von Minaretten, über die wir am
29. November abstimmen, abzulehnen.

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